Made in Zurich

«Geschäftsführer»: Herr Dreifuss, wie wurden Sie Uhrmacher?
Daniel Dreifuss: Als Banker habe ich in New York erlebt wie das kurzfristige Geldgeschäft kollabierte und wollte danach nur noch langfristig denken, fühlen und leben. Aus dem Geld zu kommen und zurzeit zu gehen, ist da eigentlich ein ganz kleiner Schritt, denn man sagt ja: Zeit ist Geld! Als Schweizer landet man deshalb fast automatisch beim Thema Uhren. Bei hochwertigen Werbeuhren beginnend, habe ich mein Business konsequent Richtung feine Uhr­macherkunst evolutioniert. Uhrmacher bin ich dabei nie geworden. Ich bin Farbendenker, Materialfühler, Designleber, Qualitätsfanatiker und Zeitliebhaber – Geschäftsverführer, der Uhren macht.

Was ist denn ein Geschäftsverführer?
Zuerst verführe ich mich täglich selbst. Ich gestalte meinen Tag um notwendige und liebgewordene Rituale herum mit möglichst vielen Verführungen aus. Das kann ein anderer Weg zum Atelier sein, um eine bestimmte Farbe des Lichtes an einer bestimmten Stelle des Weges noch etwas länger sehen zu können. Dieses Bild kann an diesem Tag das Design eines Zifferblattes beeinflussen, dem ich genau dieses Licht geben möchte.

Ich verführe auch sehr gerne meine Geschäftspartner. Bleiben wir bei der Farbe und dem Licht dieses einen Morgens. Es lässt sich mit den üblichen Mitteln nicht auf ein Zifferblatt bringen. Genau da beginnt meine Verführung. Ich verführe die Menschen dazu, neu zu denken, neu zu sehen und neu zu handeln. So entstehen neue Zifferblätter.

Kunden verführe ich am liebsten. Haben sie einmal die Uhr mit dem Zifferblatt in der Hand, in das ich die besondere Farbe des Lichtes dieses einen Morgens gebannt habe, erzähle ich dazu noch diese Geschichte, sind sie verführt. So, dass sie selbst alle Möglichkeiten nutzen, anderen von dem Morgenlicht auf ihrer Uhr zu erzählen.

Und plötzlich verführt jeder jeden. Persönlich, sozialmedial, bewusst und unbewusst – in jedem Fall aber mit Herz und Seele.

Wie wichtig sind Herz und Seele im Uhrengeschäft?
Wer Herz und Seele nicht hat, muss sich beides teuer für seine Marke erkaufen. Glaubwürdig ist das dennoch oft nicht. Unsere Uhren haben ein Herz und eine Seele. Sie sind immer das Ergebnis einer beson­deren Faszination, einer großen Emotion, eines ergreifenden Ereignisses oder einer einzigartigen Begegnung, in jedem Fall einer bleibenden Erinnerung. Das sieht und fühlt man, wenn man unser Atelier in der Tödistrasse in Zürich betritt. Geschichte und Geschichten sind authentisch, unfassbar und werden von uns, der Familie Dreifuß leidenschaftlich gelebt. Was uns und unsere Uhren sehr verführerisch macht.

Wie viel Familie steckt in Ihren Uhren?
Die ganze Familie steckt in jeder Uhr! Meine Söhne, meine Tochter und meine Frau sind meine Inspiration, meine linke und rechte Hand und nehmen mit ihren ganz speziellen Fähigkeiten auch direkten Einfluss auf jede Uhr. Von der Idee über die Fertigung bis hin zum Verkauf und die Pflege unseres Freundeskreises von über 50’000 analogen und digitalen Freunden auf der ganzen Welt.

Gerade haben wir unseren Claim nach über 20 Jahren neu formuliert: «watches made by zurich». Das ist die Essenz dessen, wie wir als Familie unsere Uhren entstehen lassen. Zürich ist Teil unserer Familie und wir sind Teil der Zürichfamilie. Wir leben intensiv mit und in Zürich, kennen die Subkultur so gut wie die Hochkultur und lassen jede Uhr von Zürich machen. Nicht nur in Zürich.

Verführen Sie mit Ihrem Geschäft auch die Uhrenbranche?
Oh ja, die Uhrenbranche konnte unseren Verführungskünsten auch nicht immer widerstehen. Wir hatten als erste Uhrenmarke das Zifferblatt mit Minuten Einteilung (05, 10, 15, 20 usw.). Das nutzen mittlerweile einige andere Marken. Mancher Material- und Farbmix in der Uhrenbranche, ganz besonders auch in der Kombination mit neuen Uhrenbändern, wurde in unserem Atelier geboren. Mit dem Modell L1 haben wir zusammen mit dem Designer Fabian Schwaerzler eine Ikone des Uhrendesigns geschaffen, die die Branche zu ähnlichen Formensprachen verführt. So bin ich manchmal auch Geschäftsverführer für andere Marken.

Wie verführen Sie Maurice de Mauriac in die Zukunft?
Wir sind Familie und verstehen uns mit unseren Partnern und Kunden als Familie. Die Uhren sind unsere gemeinsamen Kinder. Deshalb sehen wir unsere Zukunft in der Unmittelbarkeit und Echtheit unserer Kommunikation mit der großen Maurice de Mauriac Familie. Schon heute können fast 50.000 Freunde auf der ganzen Welt mit unserer Marke jederzeit und über alles mit der Familie Dreifuß reden und schreiben. Dafür nutzen wir alle zur Verfügung stehenden analogen und digitalen Kommunikationskanäle. Das hat eine sehr verführerische Kraft und ist absolut keine Einbahnstraße, denn wir bekommen immer mehr zurück, als wir in die Familie investieren. Das ist verführerisch und liefert mir die Energie, Geschäftsverführer zu sein und zu bleiben.

Und jetzt?
Jetzt bringe ich meiner Mutter, wie jeden Tag, Ihr geliebtes Bircher Müsli. Heute fahre ich mal mit dem orangen Klapprad. Mal sehen, womit Zürich mir unterwegs verführt und in welcher Uhr man diese Inspiration wird sehen können.

Weitere Informationen:
www.mauricedemauriac.ch

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