«Der Städtetourismus hat noch Potential nach oben.»

Interview mit Daniel Twerenbold, General Manager (Radisson Blu Hotel – Park Inn by Radisson)
von Artur K. Vogel und Urs Huebscher

«Geschäftsführer:» Herr Twerenbold, das Radisson Blu Hotel, Zurich Airport ist sozusagen ein Hotel mit eigenem Flughafen. Wer sind Ihre Gäste?
Daniel Twerenbold: 75 Prozent sind Businessgäste, ein Viertel sind Feriengäste. Wir sind das grösste Konferenzhotel in der Schweiz mit 51 Boardrooms und Meetingräumen plus einem multifunktionalen Konferenzraum für 600 Gäste. Durch dieses Angebot und der direkten Flughafenanbindung kommen unsere Gäste aus der Schweiz und dem Ausland.

Als Tagungs- und Transithotel ist das Radisson Blu vermutlich den Währungs- und Konjunkturschwankungen weniger ausgesetzt als zum Beispiel ein Ferienhotel. Wie sieht der Geschäftsverlauf bei ­Ihnen aus?
Unser Vorteil ist, dass 70 Prozent des gesamten Geschäfts aus der Schweiz stammt. Generell war die Schweiz schon immer teurer als die EU, daher ist die Währung nur bedingt eine Herausforderung für uns. Das grosse internationale Geschäft für den MICE-Bereich spürt den starken Schweizer Franken allerdings schon.

Und wie hoch ist denn die Auslastung?
Wir sind zufrieden, da wir im 1. Quartal 2016 das Vorjahr übertreffen konnten. Wichtig für uns ist, die Balance zwischen Belegung, Raten und Auslastung in unserem Meetingbereich zu optimieren.

Ihre Gäste, die man vermutlich vorwiegend der Rubrik «Business ­Traveller» zurechnen kann, bleiben in der Regel sicher nicht sehr lang. Nennen Sie uns bitte die durchschnittliche Aufenthaltsdauer?
Es ist richtig, dass die meisten unserer Gäste eine Nacht bei uns bleiben. Wir haben jedoch auch Crews und Gäste, die für Projektarbeiten hier in der Schweiz sind. Diese Gäste bleiben in der Regel etwas länger bei uns.

Ihr Hotel hat 330 Zimmer. Das heisst: Bei Ihnen herrscht ein ständiges Kommen und Gehen; täglich reisen mehrere hundert Gäste ab und kommen mehrere hundert an. Wie kann man denn in einem ­solchen Betrieb den Gast überhaupt noch individuell betreuen?
Bei Radisson Blu leben wir unsere «Yes I Can!»-Servicephilosophie – ein besonderer Dienstleistungsethos, der seit Jahren bei uns trainiert und in jedem Mitarbeiter fest verankert ist. Jeden Tag leben wir den «Yes I Can!»-Service an unseren Gästen und zeigen uns als authentischen Gastgeber. Jeder Mitarbeiter soll situativ entscheiden, was den Gast glücklich macht und zufrieden stellt und den «WOW! Effekt» auslöst. Zudem stellt Radisson Blu mit der «100 % Zufriedenheitsgarantie» sicher, dass jeder Gast zufrieden ist. Sollte dies nicht der Fall sein, so kümmern wir uns während des Aufenthaltes so schnell wie möglich um eine Lösung. Gelingt dies nicht, wird die Serviceleistung auch nicht in Rechnung gestellt.

Bisher war die Lage Ihres Hotels mitten im Flughafen, wenige Gehminuten von Check-in-Schaltern, Terminals und Gates entfernt, eine USP. Im Flughafen-Grossprojekt «The Circle» wird Hyatt zwei Hotels mit zusammen 550 Zimmern eröffnen. Fürchten Sie diese Konkurrenz?
«The Circle» ist eine Chance für den Flughafen Zürich und seine Partner. Dieses Projekt bringt neues Geschäft an den Flughafen, zum Beispiel grosse Kongresse, Gesundheitstourismus und lokale Anwohner, die sich von einem vielseitigen gastronomischen Angebot verwöhnen lassen möchten. Ich bin sicher, dass wir nicht in Konkurrenz, sondern gemeinsam mit allen Partnern eine noch spannendere Destination ­Zürich Flughafen kreieren werden, als sie es schon heute ist.

Mit 51 Konferenzräumen für zwei bis maximal 600 Teilnehmer ist das Radisson Blu Zurich Airport das wichtigste Tagungs- und Konferenzhotel der Schweiz. Im «Circle» ist nun ein Tagungsraum für 1 500 Leute geplant. Wir dieser Ihr Angebot eher konkurrieren oder eher ergänzen?
Dieser Tagungsraum wird, zusammen mit den neuen Hotels, zusätzliches Tagungsgeschäft an den Flughafen Zürich bringen. Neue Segmente wie grosse nationale und vor allem internationale Kongresse werden nach Zürich kommen, denn jetzt können wir kompakt am Flughafen genügend Kapazitäten für Zimmer und Meetingräume in Gehdistanz zu den Terminals offerieren.

Es werden im «Circle» auch rund zehn neue Restaurants entstehen. Haben Sie vor, das Restaurationsangebot Ihres Hotels mit jenem im «Circle» abzustimmen, damit die Auswahl für die Gäste möglichst breit ist?
Mit dem geplanten Umbau unserer Restaurants, Bar und Lobby werden wir sicher unsere Konzepte mit dem Circle-Angebot optimieren, um dem Gast eine möglichst interessante und breit aufgestellte gastronomische Palette zu bieten.

Ihr Haus ist acht Jahre alt, da dürfte eine Renovation fällig werden. Was planen Sie? Und verraten Sie uns den Investitionsbedarf?
Das Radisson Blu Hotel, Zurich Airport wurde im August 2008 eröffnet. Um unseren Gästen weiterhin unseren hohen Standard an Serviceleistung und Innovation bieten können, sind wir zurzeit tatsächlich mit der Planung einer Renovation unserer Restaurants, Bar und Lobby ­beschäftigt. Sobald wir das Design und die Konzepte bestimmt haben, werden wir ausführlich informieren.

Das Radisson Blu Zürich Airport ist berühmt geworden für den so genannten Wine Tower mitten in der Atriumlobby, ein 16 Meter hoher, gläserner, spektakulär beleuchteter Turm, an dem junge Frauen (und einige Männer) herumturnen, um Wein und Champagner in schwindelerregender Höhe zu holen und hinunter zur Bar zu balancieren. Werden Sie diese Attraktion beibehalten?
Es gibt nur drei Wine Towers in der Welt, und einer steht hier bei uns in der Lobby des Radisson Blu Hotel, Zurich Airport. Die Mitarbeiter, die Wine Angels, sind ausgebildete Artisten von sämtlichen Fachrichtungen wie Akrobatik, Tanz und Kunstturnen. Das Konzept funktioniert, und wir sind mit Interior-Designern und Architekten in Diskussion, wie wir den Wine Tower noch interessanter gestalten können, um unseren Gästen auch weiterhin dieses Erlebnis bieten zu können.

Sie sind als District Director auch für die Radission Blu in Basel und Luzern zuständig sowie für die Park Inn by Radisson in Rümlang ZH und Lully FR. Wie haben diese die schwierige Zeit mit tiefem Euro- und hohem Frankenkurs überstanden?
Generell sind wir mit unserem Geschäftsgang zufrieden. Es trifft nicht ganz zu, dass der hohe Frankenkurs die Ursache für ein schwieriges Umfeld ist. Aber sicher verlieren wir gegenüber dem Euroraum Geschäft, vor allem im Meetings & Events-Bereich für grosse Kongresse.

Hat Radisson Blu Expansionspläne in der Schweiz, und wenn ja: Wo?
Mit den vier Standorten Basel, Zürich Flughafen, Luzern und St. Gallen ist Radisson Blu in der Schweiz gut positioniert. Wir haben aber noch weitere Marken im Portfolio und stehen Projekten an weiteren bedeutenden Standorten stets offen gegenüber. Die bestehende Infrastruktur und die Präsenz im Markt sind eine gute Grundlage für weiteres Wachstum. Seit März 2016 unterstützt Robert van der Graaf in der Rolle als Senior Director Business Development unseren Expansionskurs in den entscheidenden Kernmärkten wie Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wenn wir generell von der Schweizer Hotellerie reden, nicht spezifisch von Radisson Blu: Gehen Sie, schweizweit betrachtet, eher von einer Erholung aus, oder muss die Hotellerie mit weiteren schwierigen Zeiten rechnen?
Ich denke, der Städtetourismus hat noch viel Potential nach oben – insbesondere in den pulsierenden Städten, die neben den bestehenden Attraktionen auch auf neue Erlebnisse für den Gast setzen. Ich bin nach 16 Jahren im Ausland in die Schweiz zurückgekehrt und bin begeistert von der Qualität und Quantität der verschiedenen kulturellen und sportlichen Angebote, welche man in den verschiedensten Destinationen überall und jederzeit finden kann. Wir müssen Synergien auf allen Ebenen nutzen, denn nur gemeinsam sind wir stark, sei dies im Marketing, Vertrieb oder Einkauf um nur ein paar Gebiete zu nennen.

Weitere Informationen:
www.radissonblu.com/hotel-zurichairport
www.moneycab.com

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