Auf Erfolge aufbauen

von Freya Mohr

Aktuelles Projekt der B-S-S Baumanagement GmbH – 17 Mietwohnungen in Wetzikon, Auftraggeber ist die HIAG Immobilien AG aus Zürich.

Jede Unternehmensgründung ist am Anfang eine Herausforderung. Bis sich eine neue Firma auf dem Markt etabliert, gibt es einige Hürden zu überwinden und Gründer müssen mit anfänglichen Zukunftsängsten umgehen können. Der Bauleiter Stefan Stocker zeigt mit seiner Firma B-S-S Baumanagement GmbH, dass es sich unter gewissen Voraussetzungen lohnt, am Ball zu bleiben.

Sich selbststständig machen und ein eigenes Unternehmen gründen ist ein Traum von vielen. Das zeigt sich gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Start-ups entstehen. Allerdings verschwinden manche Unternehmer wieder von der Bildfläche, weil sie die Anfangskosten unterschätzt haben oder an den ersten Hürden scheitern. Andere machen sich erst gar nicht selbstständig, weil sie zu viele Ängste haben, was die ungewisse Zukunft bringt.

Stefan Stocker, Gründer der B-S-S Baumanagement GmbH, ist mit dem Unternehmertum aufgewachsen, sein Vater hatte schon eine eigene Firma im Holzbaubereich. «Sich selbstständig zu machen, war für mich schon immer ein Thema», erklärt der in Fläsch (GR) Aufgewachsene. Nach seiner Erstausbildung als Zimmermann und seiner Zweitausbildung zum Hochbauzeichner, ist der Bündner Ende 2003 ins Zürcher Unterland gezogen. Er sammelte erste Bauleitungserfahrungen in einem Architekturbüro, begann zeitgleich mit der Weiterbildung an der Bauleiterschule und erhielt im Jahr 2006 sein eidgenössisches Diplom. Nach verschiedenen Stationen rund um den Zürichsee ging es für ein Unternehmen für Temporärbauten ein bisschen um die Welt: Berlin, Stuttgart, Brüssel und Abu Dhabi hiessen einige Stationen. Die Anstellung als Projektleiter bei einem der grössten General­unternehmer brachte ihn zurück nach Zürich. Und dann stand ganz unverhofft die grosse Chance zur Selbstständigkeit vor der Tür.

(K)ein guter Start
Die Familie seiner heutigen Frau, Natalie Stocker, steckte mitten in der Endphase bei der Realisierung eines Mehrfamilienhauses, als der zuständige Generalplaner ausfiel. Stocker springt ein und führt das Projekt zu Ende. «Ich bin da quasi reingerutscht», sagt Stocker schmunzelnd. Durch weitere Kontakte ergab sich die Chance, als Bauleiter ein Neubauprojekt mit 150 Eigentumswohnungen in Zug zu leiten. Insbesondere das Mitwirken des Bündner Architekten Valerio Olgiati veranlasste ihn, den Auftrag anzunehmen, und er setzte ganz auf die Karte der Selbstständigkeit. Klar gab es in der Gründungsphase einige Herausforderungen. Stocker machte zuvor nur wenige Erfahrungen im kaufmännischen Bereich, «Rechnungen schreiben, Anmeldungen durchführen, Notare und Ämter kontaktieren – das waren beispielsweise Themen, die ich vor der Gründung nur wenig beachtet hatte», gibt der 37-Jährige zu. Dazu kommt der grosse Kostenfaktor bei der Unternehmensgründung, den Stocker am Anfang etwas unterschätzt hat. Ratschläge holte er sich bei gestandenen Unternehmern im Bekanntenkreis – Start-up-Hilfe wie in der heutigen Form gab es damals noch nicht. Sorgen um die Finanzierung hat er sich trotzdem nicht gemacht.

Stocker hatte bei seiner Unternehmensgründung bereits die ersten Aufträge in der Tasche. Seine Festanstellung hat er zu Beginn auf 50 Prozent reduziert, um dort die laufenden Projekte zu beenden. In seiner eigenen Firma war ein zusätzliches 100-Prozent-Pensum schnell erreicht. Eine Doppelbelastung: «Monatelang fast Tag und Nacht durchzuarbeiten, war anfangs nicht gross belastend, weil man es für seine eigene Firma gemacht hat.» Zu Beginn gab das noch den nötigen Aufschwung, aber irgendwann ist es zu viel geworden. «Man muss lernen, Nein sagen zu können», gibt der Unternehmer als Tipp. So war sein erstes grosses Projekt – der Bau in Zug – nicht nur sein erstes Erfolgserlebnis, sondern auch sein erster Dämpfer. Während der fast zweijährigen Bauleitung kamen immer weitere Aufgaben hinzu. «Zu Anfangszeiten hat man das Neinsagen noch nicht gewagt», erzählt Stocker lachend. Irgendwann war die Belastung zu hoch und es kam zum Bruch mit den Auftraggebern. Nachdenklich fügt er hinzu: «Natürlich kamen da die ersten Zweifel, ob ich dem überhaupt gewachsen bin.» Stocker ist drangeblieben, hat sein Beziehungsnetzwerk weiter ausgebaut und so seine Nische in der Branche gefunden. Heute steht er in seinem eigenen Büro in Wollerau mit Blick auf den Zürichsee und die Berge und betreibt seit 2017 eine Zweignieder­lassung in Erlenbach (ZH).

Ein eingespieltes Team
Nach der Gründung 2010 ist die Firma gewachsen und zog Ende 2017 in die neuen Büroräume in Wollerau (SZ). Beim modernen, offenen Innenausbau konnten seine Mitarbeiter mitentscheiden, Ideen entwickeln und planen. Wie eine kleine Familie sieht er seinen Betrieb und leitet seine fünf Mitarbeiter dementsprechend. Die Strukturen hält Stocker bewusst flach – jeder Mitarbeitende soll sich entfalten können. «Für mich ist es wichtig zu wissen, dass ich mich auf ein eingespieltes Team verlassen kann. Jedes Mitglied hat seine Stärken und wir unterstützen uns gegenseitig», erklärt er und blickt dabei durch die grosse Glasscheibe des erhöhten Meeting­raums zu seinen Angestellten. Zwar betreut jeder Mitarbeitende sein eigenes Projekt als Bauleiter, trotzdem ist Stocker noch recht stark in jedes einzelne Projekt involviert. Sein nächstes Ziel ist es, in dieser Richtung Entlastung zu schaffen.

«Die Auftragslage würde es erlauben, das Team weiter auszubauen. Mir ist es jedoch wichtig, das Ganze überschaubar zu halten», erklärt Stocker. Er muss vorausschauend denken: «Zwar bekommen wir viele konkrete Anfragen; bis zum Projektstart kann aber viel Zeit vergehen. Das birgt immer auch ein personelles Risiko.» Im Moment sind die Auftragsbücher gut gefüllt. Er zeigt zu den Projektplänen an den Magnetwänden des Meetingraums und erzählt, dass viele Projekte einen erhöhten Bezug zu Holz haben. «Es ist nicht so, dass wir das gezielt suchen», führt er aus, «da jedoch alle Mitarbeiter ihre Erstausbildung in der Holzbaubranche haben, fühlen wir uns mit diesem Material wohl.» Spezialisieren auf den Holzbau möchte sich der Bauleiter mit seiner Firma jedoch nicht: «Gerade die Vielseitigkeit ist es doch, was unseren Beruf so spannend macht.» Mit der Akquise versucht er, gezielt unterschiedliche Richtungen abzudecken – was sich teilweise als nicht ganz einfach erweist.

Neue Kunden kommen
Oftmals steht zum Zeitpunkt der öffentlichen Publikation eines Bau­vorhabens das Planungsteam bereits inklusive Bauleitung fest, oder das Architekturbüro stellt die Bauleitung selbst. Deshalb ist es umso wichtiger, ein gutes Beziehungsnetzwerk aufzubauen und zu pflegen: «Potenziell ist jeder Kontakt, den wir knüpfen, ein zukünftiger Auftraggeber.» Am Anfang hat Stocker noch viele Aufträge als Subplaner angenommen. «Heute kommt der grösste Teil der laufenden und geplanten Projekte durch Empfehlungen und frühere Zusammenarbeiten zustande», freut sich der Geschäftsführer. «Nebst dem geringeren Akquisitionsaufwand bekommen wir so die Wertschätzung unserer täglichen Arbeit in schönster Form zu spüren», stellt Stocker stolz fest und ergänzt: «Unsere Kunden sind private Bauherren, Immobilienfirmen, Arealentwickler, die öffentliche Hand und staatliche Unternehmungen.» Damit zeigt er, dass sich ein Unternehmen trotz erster Hürden und Startschwierigkeiten mit Durchhaltevermögen in der Branche etablieren kann.

www.b-s-s.ch